{"id":152,"date":"2016-05-04T16:20:14","date_gmt":"2016-05-04T16:20:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.amuep-agate.de\/cms\/berghuettenklausur-2016\/"},"modified":"2016-05-04T16:20:14","modified_gmt":"2016-05-04T16:20:14","slug":"berghuettenklausur-2016","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.amuep-agate.de\/cms\/berghuettenklausur-2016\/","title":{"rendered":"Bergh\u00fcttenklausur 2016"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-size: 18pt; color: #000000;\">Bergh&uuml;ttenklausur 2016<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Vom 21- bis 22.04.2016 trafen sich auch dieses Jahr wieder zahlreiche Kolleginnen und Kollegen zum angeregten Austausch auf der &#8222;Bergh&uuml;ttenklausur&#8220;. Anl&auml;sslich der diesj&auml;hrig erstmalig in S&uuml;dtirol stattfindenden Tagung, im malerischen Kloster Neustift, S&uuml;dtirol, widmeten sich die Teilnehmer zun&auml;chst den Besonderheiten des italienischen Gesundheitssystems: Professor Dr. Conca, Direktor des pychiatrischen Gesundheitsdienstes in Bozen erl&auml;uterte Aufbau und Organisation des psychiatrischen Dienstes in Italien und pr&auml;sentierte das Verordnungsverhalten in der KJP im Hinblick auf die Diagnose ADHS: Im Gegensatz zu Deutschland kommen auf 1000 Kinder nur 1,8 Psychopharmaka Verschreibung (in D 34). ADHS-Patienten werden vor Erstverschreibung in einem Nationalregister erfasst &ndash; speziell f&uuml;r die Aufmerksamkeitsst&ouml;rung gibt es in Italien 110 eigene ADHS-Zentren. Von 54.000 &ndash; 55.000 Kindern erhalten lediglich 3790 ADHS-Pr&auml;parate. Das Medikament wird hier als Teil eines multimodalen Systems betrachtet &ndash; es greifen erst andere Interventionsmechanismen, bevor das Medikament verordnet wird. Die zur&uuml;ckhaltende Verschreibung von Stimulantien, kann einerseits durch die Interventionsmechanismen erkl&auml;rt werden, andererseits bestehen auch ideologische Gr&uuml;nde.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"images\/20160421_195247.jpg\" alt=\"\" width=\"800\" height=\"450\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Frau Anja M&auml;rsch, Pharmaziestudentin an der Universit&auml;t Regensburg, pr&auml;sentierte uns die Ergebnisse ihrer Recherche im Rahmen ihres Wahlpflichtpraktikums bei der AG klinische Pharmakologie zu spezifischen ausschlie&szlig;lich in Italien verf&uuml;gbaren Wirkstoffen in Hinblick auf Pharmakokinetik und Pharmakodynamik: Delorazepam und Melevodopa. Bei ersterem handelt es sich trotz Namensgebung um ein starkes und langwirksames Benzodiazepin mit einer Halbwertszeit von ca. 100 Stunden. Lorazepam ist der Hauptmetabolit. Melevodopa ist ein Prodrug und wird pr&auml;hepatisch weitestgehend zu Levodopa decarboxyliert. Unterschiede zu Levodopa sind im Bereich der Pharmakokinetik zu finden. In Studien konnte eine Verk&uuml;rzung der Zeit bis zum Wirkeintritt nachgewiesen werden, was wahrscheinlich auf einer besseren L&ouml;slichkeit und einer schnelleren Resorption im Vergleich zu Levodopa beruht. Auch ist es m&ouml;glich, individuelle Schwankungen der Levodopa-Blutplasmaspiegel zu gl&auml;tten. Daneben soll die Anwendung als Brausetabletten und die damit verbundene Verabreichung als trinkfertige L&ouml;sung vorteilhaft bei Schluckbeschwerden und Motilit&auml;tsst&ouml;rungen sein<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Dr. Michael Schr&ouml;der, Arzt in der Epilepsieambulanz in Regensburg, erl&auml;uterte uns am sp&auml;ten Nachmittag anschaulich Grundlagen der Epilepsietherapie: So istd ie Wahl der antiepileptischen Therapie an verschiedene Faktoren gebunden: Klassifikation der Epilepsie und somit Indikation, Alter, Geschlecht, Komorbid&auml;ten, Komedikation, Raucher, Darreichungsform, soziale Situation, Pharmakokinetik des Medikation, sowie Komedikation. F&uuml;r fokale Epilepsien sind wesentlich mehr Wirkstoffe zugelassen: Neben neurophysiologischen Gr&uuml;nden betrifft dies vorallem die Zulassung und Vorgaben seitens der EMA. Die Studienpopulation im Epilepsiebereich besteht immer aus Patienten mit pharmakotherapieresistenter fokaler Epilepsie- Bei dieser Gruppe werden die neuen Medikamenten als add-on zu bestehender Therapie verwendet und die &Uuml;berlegenheit gegen&uuml;ber Placebo untersucht. Auch wenn der Fokus auf Klassifikation eines Epilepsie-Patienten von anderen Fachrichtungen nicht nachvollziehbar ist, so ist dies doch der essentielle Faktor, um eine sichere und wirksame Therapie zu gew&auml;hrleisten, um den richtigen Wirkstoff auszuw&auml;hlen und die Situation des Patienten nicht zu verschlechtern. Das falsche Pr&auml;parat kann im Extremfall zum Status Epilepticus f&uuml;hren.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"images\/20160422_090226.jpg\" alt=\"\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Am Folgetag referierte Frau Dr. Katharina Wenzel-Seifert, &Auml;rztin bei der kassen&auml;rztlichen Bundesvereinigung in Berlin, &uuml;ber das AMNOG-Bewertungsverfahren zur Nutzenbewertung am Beispiel von Vortioxetin. Seit 01. Januar 2011 muss f&uuml;r jeden neu zugelassenen Wirkstoff neben dem therapeutischen Nutzen, auch der wirtschaftliche Zusatznutzungen gegen&uuml;ber der Standardtherapie belegt werden. Sobald das Bewertungsgutachten des IQWIG vorliegt, welches auf Basis aller relevanten Studien, die zum Vergleich mit der Standardtherapie geeignet, sind, vorliegt, wird in den darauffolgenden Sitzungen seitens pharmazeutischem Unternehmer, Mitgliedern des Spitzenverbandes der GKV, Angeh&ouml;rige der Fachgesellschaften , Patientenorganisationen, niedergelassenen Kollegen das Ergebnis der Bewertung diskutiert. Dem pharmazeutischen Unternehmer wird stets die Gelegenheit gegeben Kritikpunkte auszur&auml;umen und Informationen nachzureichen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Anschluss pr&auml;sentierten Doktoranden der Arbeitsgruppe AG Klinische Pharmakalogie aus Regensburg, ihre Recherche-Ergebnisse zu Fragestellungen, welche sich in den vergangenen Fallkonferenzen ergeben hatten: Florian Ridders, Apotheker, bewertete die Fragestellung, ob das pl&ouml;tzliche Absetzen von Benzodiazepinen Suizide induziert. Herr Daniel Braun, Apotheker, erl&auml;uterte das Myokarditis-Risiko unter Olanzapin, welches eine gro&szlig;e strukturelle &Auml;hnlichkeit zu Clozapin besitzt. In der Fachliteratur sind Myokarditis-F&auml;lle unter einer Olanzapin-Therapie erw&auml;hnt. (T. Vang et al.) Um Informationen &uuml;ber die H&auml;ufigkeit einer Myokarditis unter Olanzapin zu erhalten, wurden verschiedene Datenbanken (&#8222;VigiAccess.org&#8220;, &#8222;eHealthMe.com&#8220; und &#8222;adrreports.eu&#8220;)durchsucht. In jeder dieser Datenbanken finden sich F&auml;lle von Myokarditis unter einer gleichzeitigen Behandlung mit Olanzapin. Diese Vorf&auml;lle ereignen sich meist innerhalb eines Monates nach Ansetzen von Olanzapin. Allerdings treten diese F&auml;lle unter Olanzapin nicht so h&auml;ufig auf wie unter Clozapin. Auch Quetiapin besitzt eine strukturelle &Auml;hnlichkeit zu Clozapin. Deshalb wurden die genannten Datenbanken auch in Bezug auf Quetiapin durchsucht. Die H&auml;ufigkeit des Auftretens einer Myokarditis unter Quetiapin ist vergleichbar mit der H&auml;ufigkeit unter Olanzapin. Bisher gibt es allerdings keinen Beweis f&uuml;r einen kausalen Zusammenhang zwischen dem Auftreten einer Myokarditis und einer Therapie mit Olanzapin oder Quetiapin. In einigen F&auml;llen ist ein Zusammenhang aber sehr wahrscheinlich. Das Risiko einer Myokarditis ist unter Behandlung mit Olanzapin oder Quetiapin vermutlich erh&ouml;ht, jedoch kleiner als unter Behandlung mit Clozapin. Symptome, die auf eine Myokarditis hindeuten k&ouml;nnen, sollten beachtet werden, z. B. ein erh&ouml;hter CRP-Wert.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">&nbsp;<img decoding=\"async\" src=\"images\/20160422_120312.jpg\" alt=\"\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bergh&uuml;ttenklausur 2016 Vom 21- bis 22.04.2016 trafen sich auch dieses Jahr wieder zahlreiche Kolleginnen und Kollegen zum angeregten Austausch auf der &#8222;Bergh&uuml;ttenklausur&#8220;. 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